Hochwasser – was tun?
Ein kleiner Selbstschutzratgeber
Ein „totaler“ Hochwasserschutz ist – trotz bester Planung, Ausführung und Instandhaltung nicht möglich. Technischer Hochwasserschutz durch Regulierungen, Dämme, Mauern oder Rückhaltebecken kann die Nutzungsbedingungen in der Nähe von Gewässern nur verbessern, die Hochwassergefahr als solche aber nicht komplett beseitigen.
Gefahrensituation abschätzen – hier beginnt der aktive Selbstschutz
Sind Flüsse oder Bäche in der Nähe?
Gibt es Hänge in der Nähe? Auch wenn dort kein Gewässer fließt, kann plötzlicher starker Niederschlag eine Hangrutschung auslösen.
Gibt es in der Nähe Teiche, die übergehen könnten?
Überprüfung des Grundwasserspiegels vor Errichtung eines Objektes.
Kann der Kanal übergehen?
Drohen Bäume unterspült zu werden und umzustürzen?
Gibt es ausgetrocknete Flussläufe, Bachbette, etc?
Können bauliche Maßnahmen die Hochwassergefahr verändern?
Richtiges Bauen
Die wirksamsten baulichen Maßnahmen sind:
Bauen in erhöhter Lage. Verzicht auf Kellergeschoße.
Wassereintritt in ein Gebäude
Das Eindringen von Wasser in das Haus führt im Allgemeinen nicht zu einer Gefährdung seiner Standsicherheit, aber doch zu nachhaltigen Schäden am Gebäude (z.B. Türen, Fenster, Haustechnik, Putz, Tapeten, Bodenbeläge) und an der Inneneinrichtung. Erstes Ziel muss daher sein, dass Eindringen von Wasser in das Haus zu verhindern oder zumindest zu begrenzen.
Abdichtungen am Gebäude
Derartige Maßnahmen sind im Allgemeinen einfacher und kostengünstiger als Maßnahmen im Außenbereich. Voraussetzung ist die ausreichende Standsicherheit, Wasserbeständigkeit und Wasserdichtheit der Außenwände. Diese Abdichtung kann mittels Sperrputz (z.B. Zementputz), Steinzeugfliesen oder Kunststoffmaterialen erfolgen. Auf wasserdichte Fugenausbildung achten. Die zum Verschluss der Gebäudeöffnungen verwendbaren Techniken unterscheiden sich sowohl durch die beherrschbaren Wasserdrücke als auch die erforderlichen Installationen und zu lagernden Materialen.
Sandsäcke
können bei geringem Wasserstand (einige Dezimeter) eingesetzt werden. Sie sollen möglichst unmittelbar am oder im zu schützenden Objekt gelagert sein. Da keine fixen Einbauten erforderlich sind, eignet sich ihr Einsatz auch zum Schutz vor unvorhergesehenen Gefahren.
Dammbalkensysteme
bieten einen höheren Schutz vor Überflutungen (Meterbereich). Ihr Einsatz setzt allerdings sowohl fixe Installationen (z.B. Befestigungsschienen) als auch die Lagerung der Dammbalken voraus.
Rückstauklappen.
Bei Hochwasser steigt der Wasserspiegel im Kanalnetz oft an, weil die Kanäle durch Überlastung wegen großer Regenmengen zurückgestaut werden. Dieser Anstieg des Wasserspiegels im Kanalnetz setzt sich durch die Abflussleitungen gegebenenfalls bis ins Gebäudeinnere fort. Hier sind zur Sicherung in jedem gefährdeten Haus entsprechende Rückstausicherungen vorzusehen und regelmäßig zu warten.
Installationen und Heizungsanlagen
Heizungsanlagen sollen ebenso wie wichtige elektrische Installationen (z.B. Stromverteilerkästen) in den Obergeschoßen hochwassersicher installiert werden. In von Hochwasser betroffenen Bereichen (Keller, Erdgeschoß) sollten darüber hinaus auch untergeordnete elektrische Installationen möglichst hoch über den Fußboden angebracht werden. Die betreffenden Stromkreise müssen getrennt abschaltbar bzw. gesichert sein. In hochwassergefährdeten Gebieten sollte auf Ölheizungsanlagen grundsätzlich verzichtet werden.
Ist eine Umstellung auf andere Energieträger nicht möglich, ist der Tank zusammen mit allen Anschlüssen und Öffnungen so abzusichern, dass von außen kein Wasser eindringen kann. Weiters ist der Tank durch geeignete Halterungen gegen Aufschwimmen zu sichern.
Letzte Vorbereitungen
Jedes Hochwasser verläuft anders. Keine Rückschlüsse aus alten Ereignissen ziehen.
Wetterlage verfolgen. Radio- und Fernsehmeldungen beachten. Nutztiere aus der Gefahrenzone bringen. Kellertanks absichern. Elektronische Einrichtungen entfernen oder ausschalten. Straßen, Wege können überflutet sein (Sinnhaftigkeit von Ausfahrten überprüfen). Gefährdung durch aufgestautes Treibgut beachten. Haupthähne für Gas, Wasser, Strom abdrehen (Achtung Tiefkühltruhe). Gegenstände, die nicht nass werden dürfen, aus dem Keller räumen. Notgepäck griffbereit halten. Eigensicherheit beachten. Nachbarschaftshilfe organisieren und durchführen. Fahrzeuge aus der Garage in Sicherheit bringen. Fahrzeuge, die im freien abgestellt sind, aus der Gefahrenzone (See, Fluss, bereits überflutete Straßen) bringen. Stand das Fahrzeug bis zur Ölwanne oder gar über die Räder hinaus im Wasser, Motor nicht mehr starten. In die nächste Werkstätte zur Überprüfung schleppen. Erst mit dem Auspumpen des Kellers beginnen, wenn draußen der Wasserstand sinkt, da sonst Unterspülung droht.
http://www.help.gv.at/Content.Node/295/Seite.2950030.html